Drehbuch
Moodboard
Hintergrund des Films
Die Geschichte soll die Beziehung zwischen meinem Großvater und mir widerspiegeln, welcher im Jahr 2015 einen Schlaganfall erlitt. Dies hatte zur Folge, dass wir von einem auf den anderen Tag nicht mehr kommunizieren konnten, da sein Sprachzentrum nicht mehr funktionierte.
Der Protagonist des Kurzfilms, der Großvater, soll den Charakter meines Großvaters widerspiegeln: liebevoll, herzlich und fürsorglich. Dieser leidet unter Aphasie*, einer Sprachstörung, die durch Schäden am Gehirn verursacht wird, oft nach einer Kopfverletzung (z.B. Kriegsverletzung) oder einem Schlaganfall.
Die Geschichte soll zwei große Themen besprechen. Zum einen soll zum Thema Sprachverlust sensibilisiert werden und dessen Herausforderungen zeigen.
Zum anderen soll es um menschliche Nähe gehen. In einer Welt, in der Menschen zunehmend voneinander entfremdet sind, unterstreicht die Geschichte die Bedeutung von Nähe und Vertrauen. Sie zeigt, wie menschliche Verbindung selbst in den härtesten Zeiten überlebenswichtig ist.
Die Sprachstörung des Großvaters
Verstärkung der Isolation
Die Aphasie des Großvaters betont seine tiefe Isolation in einer bereits feindlichen und trostlosen Welt. Seine Unfähigkeit zu sprechen macht ihn noch verletzlicher und vergrößert die Distanz zu den wenigen Menschen, denen er begegnet. Diese Sprachlosigkeit symbolisiert seine innere Einsamkeit und das Gefühl der Verlorenheit, das er nach dem Verlust seiner Familie empfindet.
Herausforderung der Kommunikation
Die Aphasie führt zu spannungsgeladenen Szenen, in denen der Großvater versucht, sich mitzuteilen, aber daran scheitert. Der Zuschauer spürt seine Frustration und die daraus resultierende Hilflosigkeit, was die Dramatik und das Gefühl der ständigen Bedrohung erhöht.
Symbol für Überwindung von Barrieren
Die Sprachstörung steht symbolisch für die Barrieren, die zwischen Menschen existieren, besonders in einer postapokalyptischen Welt. Der Großvater und der Junge müssen Wege finden, ohne Worte zu kommunizieren, was die Tiefe ihrer Beziehung und das Thema der Überwindung von Hindernissen verstärkt.
Verstärkung der visuellen Erzählweise
Da der Großvater nicht sprechen kann, verlässt sich die Geschichte stark auf visuelle und gestische Kommunikation. Diese sprachlose Erzählweise macht den Film intensiver und eindringlicher, da der Zuschauer gezwungen ist, die Emotionen und Intentionen der Charaktere durch ihre nonverbalen Interaktionen zu verstehen.
Plot Device für Konflikte
Die Aphasie sorgt für Konflikte, insbesondere in Szenen, in denen der Großvater versucht, wichtige Informationen zu übermitteln, aber missverstanden wird. Dies führt zu dramatischen Eskalationen, da seine Unfähigkeit zu sprechen oft lebensbedrohliche Missverständnisse erzeugt.
Unterstützung der thematischen Tiefe
Die Sprachstörung fügt der Geschichte eine weitere Ebene hinzu, indem sie die Themen Überleben, Anpassung und die Suche nach Menschlichkeit in einer unwirtlichen Welt verstärkt. Sie zeigt, dass selbst ohne Sprache eine tiefe Verbindung und Verständnis möglich sind, was die emotionalen und thematischen Aspekte der Geschichte vertieft.
Lichtkonzept
Zentraler visueller Anker für die Lichtgestaltung war die postapokalyptische Kälte, die wir durch das natürlich vorhandene, diffuse Licht in den Bildern erzählen wollten.
Da wir an einem stromlosen „Lost Place“ gedreht haben und der Film fast keine Dialoge hat, war es sehr schwer mit einem Generator zu arbeiten, weil dieser viel zu laut im Vergleich zu den subtilen Geräuschen gewesen wären. Wir hatten an den Drehtagen aber auch Glück und es war bewölkt, sodass die Grundstimmung überwiegend gepasst hat.
Wir haben tagsüber also primär subtraktiv mit großen 8x8-Rahmen und Floppys gearbeitet, um trotz des weichen Lichts Kontrast und Struktur in die Gesichter zu modellieren. Für die nötige Mobilität im Gelände sorgten dabei überraschend effektiv die flexiblen Amaran LED-Matten, die uns erlaubt haben, auch ohne Stromnetz schnell kleine Aufhellungen zu setzen. Auch für die Nachtszenen war ich sehr begeistert von den kleinen Lichtmatten. Ich habe sie teilweise als Book Bounce in die Rahmen geschossen und sie haben echt ordentlich Output.
Für den Großteil der Nacht Szenen haben wir aber eine Aputure 600D und 1200D in die Rahmen geschossen, um auch da eine weiche Grundhelligkeit zu erzählen. Da die beiden großen Aputure Lampen schwer mit Akkus zu betreiben wären, hatte wir an der Stelle einen kleinen Generator im Einsatz. Der war ordentlich laut, sodass wir ihn mit einer langen Verlängerung so weit wie möglich vom Set entfernt und mit einem unserer Transporter und Styroporplatten zusätzlich akustisch abgeschirmt haben. Das Licht wurde hierbei bewusst immer von hinten geleuchtet, um die Charaktere eher als Silhouetten zu erzählen und zu verdeutlichen wie düster es ist.
Damit man im schlussendlichen Film dann trotzdem alles erkennt, haben wir noch kleine Aufhellungen - meistens die Amaran Matten und Titan Tubes - ergänzt. Hier hatte ich dank z.B. des Feuers am Ende viele Möglichkeiten, diese Aufhellungen logisch zu erklären.
Paul Weiß - Oberbeleuchter SOLACE
Szenenbild
- Detailreiche und authentische Nachbildung der postapokalyptischen Welt
- Verwendung von realen und digitalen Sets zur Verstärkung der Atmosphäre
- Fokus auf kleine, aber bedeutungsvolle Details (z.B. persönliche Gegenstände der Charaktere), wie ein Tagebuch des Großvaters mit unvollständigen Sätzen, die er versucht zu schreiben
- kalte, kahle Umgebungen, die selbst kleine Geräusche laut erscheinen lassen
Symbolik
- Kaputter Teddy als Symbol für verlorene Unschuld
- Zerstörte Gebäuden und Städten, um Zerstörung der Welt zu visualisieren
- Naturbilder als Zeichen der Wiedergeburt und Hoffnung
- Warme Farbtöne in der Nähe des Jungen, um die heilende Wirkung der Beziehung zwischen den beiden zu verdeutlichen
Auditive Gestaltung
- Stille des Großvaters kontrastiert mit Geräuschen, ungewöhnlich lauter, als sie sind
- Zerbrochene Sätze und Flüstern im Sounddesign
- Klang als Kommunikationsmittel für den Großvater, z.B. Stock auf den Boden schlagen als eine Art „Sprache“